WEITERE FLÜGE

FLUGABENTEUER / WEITERE FLÜGE / 40 VIERTAUSENDER

Es kommt immer anders als man denkt

Für 2009 war geplant das östlichste Eck des Mittelmeeres - das wir anlässlich unserer Mittelmeer-Umrundung wegen Kriegsausbruch zwischen Israel und Libanon nicht fliegen konnten - zu umfliegen. Durch gute Kontakte nach Jordanien und Israel war es möglich, alle notwendigen Informationen zu beschaffen, und weil es im Moment dort keinen Krieg gibt, wäre es auch politisch möglich gewesen. Die Route hätte uns über die Balkanstaaten, Griechenland, Türkei, Libanon und Jordanien nach Israel geführt. Während des Winters arbeiteten wir an den Vorbereitungen, besorgen der Flight Permissions und Bestellung eines Bordbegleiters, der für Flüge innerhalb Israels vorgeschrieben ist. Alles war im grünen Bereich und die Termine auf den Tag genau fixiert. Ein Monat vor Abreise erhielt Ewald den Stellungsbefehlt für das Militär, und zwar genau für die Zeit, wo wir unterwegs gewesen wären. Dies ließ sich nicht verschieben, der geplante Flugtermin ebenfalls nicht, einerseits weil die Permits schon ausgestellt waren, andererseits wegen fixierten späteren Geschäftsterminen. Also fiel die Sache für 2009 ins Wasser und wir mussten alles bereits Vordisponierte wieder absagen.


40 Viertausender, Fliegernostalgie und Spaceshuttle

Schon lange hatten wir eine Flugreise quer durch Europa fix vorbereitet in der Schreibtischlade. Meistens fliegt man nach Süden oder nach Norden, jedoch kaum Ost - West in Europa. Die Strecke sollte uns an die Grenze zu Rumänien, nach Kroatien, Slowenien, Italien, Schweiz, Frankreich und Deutschland - also insgesamt 7 Staaten - führen. Frankreich hatten wir bisher nur am Rande überflogen, diese Reise war so geplant, dass wir von Frankreich sehr viel gesehen hätten. Die Vorbereitung für Flüge innerhalb Europas ist, verglichen mit Reisen in den Orient und Afrika, eine Lappalie. AVGAS ist meistens verfügbar, Flight Permissions sind nicht notwendig, auch keine Visa und es gibt keine bürokratischen Hindernisse. Vor Kurzen hatten wir uns das neueste Garmin 496 GPS gekauft. Diese tolle Gerät zeigt nicht nur die Höhen der umliegenden Berge und Hindernisse an, sondern sämtliche Anflugpunkte aller Flugplätze und bietet viele weiteren Informationen, die für einen sicheren Flug notwendig sind.
Zum Trainieren flogen wir mit der DIMONA - die uns bereits rund um Europa und bis zum Nordkap gebracht hat - einen Tag nach Tschechien. Zuerst nach Brün, dann weiter nach Kunovice, wo wir die dortige Flugzeugfabrik und das Flugzeugmuseum besichtigten. Um die Funkroutine aufzufrischen, wählten wir die kompliziertere Strecke über Wien und alles war wieder so, als würden wir jeden Tag fliegen.
Kurz vor Abflug zur Europadurchquerung erreichte uns eine neue Hiobsbotschaft. In Frankreich darf man nur mehr fliegen, wenn man anstatt des bisherigen ELT-Notsenders, den neuen 406 MHZ Digital-Sender mit Flugzeugkennzeichen an Bord hat. Angeblich wird das streng kontrolliert und es kann passieren, dass man nicht mehr starten darf, solange der neue Not-Sender nicht installiert ist. Bedingt durch die große Nachfrage war der neue Sender kurzfristig nicht aufzutreiben, ebenso hätte die Zuteilung des Codes durch Austro Control längere Zeit in Anspruch genommen. Die Entscheidung war also, auf Frankreich zu verzichten, oder unbestimmt lange zu warten, bis ein neuer ELT-Sender im Flugzeug eingebaut ist. Das kam aber nicht in Frage, denn da würden womöglich die Ferien von Ewald wieder vorbei sein.


Nach Ungarn und Kroatien

Budapest
Zagreb

Das Wetter spielte diesen Sommer verrückt, längere Hochdruckphasen hat es bisher überhaupt nicht gegeben, sondern nur ein paar schöne Tage und dann wieder Schlechtwetter. Also genau das, womit Sichtflieger nichts anfangen können. Einen Tag bevor die nächste Schlechtwetterfront von Westen hereinzog, starteten wir Richtung Osten. Bis Debrecen und Zagreb sollte es an dem Tag wettermäßig möglich sein, erst am nächsten Tag sollte die nächste Westfront auch dort ankommen. Wir starteten zur ersten Destination nach Debrecen, dem östlichsten Flugplatz Ungarns. Bereits am Boden rauschte es im Funkgerät so stark, als wäre die Rauschsperre ausgeschalten. In 5.000 Fuß Höhe konnten wir Wien-Information trotz des heftigen Rauschens gut verstehen, wir wurden jedoch kaum verstanden. Der Grund des Rauschens war uns schleierhaft, wir vermuteten eine Funkstörung, wie wir sie schon in Istanbul, Neapel und auch anderswo erlebt hatten. So konnte es nicht weitergehen, denn durch den ständigen Lärm in den Kopfhörern würden wir bald taub sein. Und wenn die Kommunikation zu den Boden-Funkstellen nicht funktioniert, ist das lebensgefährlich. Über dem Wienerwald drehten wir daher um, um wieder in Seitenstetten zu landen. Kaum flogen wir den Gegenkurs, war das Rauschen schlagartig weg und der Funk funktionierte bestens. Also wieder umdrehen und unserem eigentlichen Ziel entgegen. In der Kontrollzone Schwechat mussten wir auf 2.500 Fuß sinken, um den Sichtflugkorridor über den Neusiedlersee nach Ungarn zu durchfliegen. Dann war alles wieder Routine. Wir stiegen auf unsere Reiseflughöhe und wurden von Budapest-Info mit dreimaligem Frequenzwechsel bis zum Ziel gelotst. Links unter uns war Bratislava zu erkennen, entlang der Donau der Gabcikovo Stausee, rechts Györ, links Komárom und Esztergom mit dem markanten Dom. Budapest durften wir schnurrgerade durchkreuzen, es ist schon ein großer Vorteil, wenn man permanent mit Bodenstellen in Funkkontakt ist. Links erhob sich das Matra Gebirge und nach 2 ¾ Stunden erreichten wir Debrecen. Tanken, bezahlen, Flugplan aufgeben und Zollausreiseprozedere für Kroatien waren rasch erledigt.
Eine Strecke von fast drei Flugstunden durch die Ungarische Tiefebene erwartete uns nun. Wir überflogen die geschlungene Theiss, die Stadt und Flugplatz Kecskemét und die Felder, Wiesen und Wälder der Ungarischen Pusta. Ursprünglich war geplant, auch in Szeged zu landen, doch weil es dort keinen Zoll gibt, hätte alles viel länger gedauert und wir wären erst am nächsten Tag wieder weggekommen. Nach Überquerung der Donau konnte man am rechten Horizont den Plattensee erkennen. Die Grenze zu Kroatien bildet die sehr gewundene Drava. Auffällig war, dass es am Boden wieder ganz anders ausschaut als in Ungarn. Die Felder sind wesentlich kleiner gegenüber den riesigen Flächen in Ungarn. Nach Kontakt mit Zagreb-Information und Approch erhielten wir vom Tower Landenummer 1. Am General Aviation Abstellplatz tankten wir unser Flugzeug wieder voll und fixierten es für das während der Nacht angesagte Gewitter. Die Handlingfirma empfahl uns das Hotel, in dem auch das Personal der Fluglinien übernachtet. Nach Einchecken und Geldwechsel war ein Bummel ins Zentrum von Zagreb und ein kroatisches Abendessen angesagt.
Das angekündigte Gewitter traf tatsächlich während der Nacht ein. Es blitzte und donnerte und ich konnte kaum schlafen, weil ich mir Sorgen um das geparkte Flugzeug machte. Am Morgen regnete es zwar nicht mehr, doch war es so trüb, dass wir lange schliefen und uns erst dann auf den Weg zum Besuch eines Bekannten aufmachten. Am Nachmittag besuchten wir das Technische Museum. Es ist zwar nicht groß, doch absolut sehenswert. Besonders die nachgebauten Bergwerksstollen sind hochinteressant, aber auch eine Demonstration über die Entstehung von Strom und dessen Wirkung.


Über Slowenien nach Italien in die Schweiz

Triest
Venedig Lido

Über das Internet sahen wir, dass es am nächsten Tag an der Adria und in Oberitalien schön sein würde, jedoch auf den Flugplätzen Varacdin, Maribor und Ljubljana, wo wir ebenfalls landen wollten, nach wie vor regnete. Die Entscheidung war also, einen weiteren Tag in Zagreb zu verbringen, oder auf diese drei Plätze zu verzichten. Wir entschlossen uns für die 2. Variante, denn dorthin können wir ja auch an einem Wochenende, unabhängig von einer längeren Flugreise, hinfliegen. Nicht eindeutig klären konnten wir die Wettersituation über das Kapela Gebirge. Weil wir im Flugplan einen Direktflug nach Triest angegeben hatten, wurde der Flugplan nicht akzeptiert, sondern wir mussten die Strecke über Kalovac, Rijeka und Portoroz neu planen. Nach dem Start konnten wir nur auf 3.000 Fuß steigen, dann war die Wolkendecke vollständig geschlossen. Bis Kalovac ging das einigermaßen, jedoch am Kapela Gebirge, lagen die Wolken größtenteils auf. Es herrschte allerhöchste Anspannung an Bord. Wir mussten die Entscheidung treffen, weiter zu fliegen - dorthin, wo man nichts sieht - oder umzudrehen. Jetzt bewährte sich das neue GPS hervorragend. Es zeigte haargenau die Höhen der vor uns liegenden Berge an und warnte auch akustisch vor einer möglichen Kollision. Laut GPS waren es nur mehr wenige Minuten bis Rijeka, trotzdem hätte ich am liebsten umgedreht. Plötzlich - zwischen Berggipfel und Wolken nicht mehr Schwarz, sondern Hellblau. Ein Freudenschrei - das muss das Meer sein und damit das Ende der Gefahr durch schlechte Sicht. Tatsächlich, als das Gebirge hinter uns lag, strahlend blauer Himmel, nur vereinzelt Kumuluswolken. Von Rijeka-Information wurden wir an Pula übergeben und von dort an Portoroz.
Der Anflug und die Landung in Triest-Ronki war ein Kinderspiel, auch am Boden erfolgte die Abfertigung zügig und sogar der Flugplan nach Bergamo wurde gleich akzeptiert. Nach dem Start stellte sich allerdings heraus, dass es in Norditalien doch nicht so einfach ist, zu fliegen, wie man möchte. Wir mussten den Sichtflugkorridor nach Venedig fliegen. Aufgrund der niedrigen Höhe konnten wir beim Überflug von Venedig tolle Fotos machen. Dann wurde uns eine Abkürzung über Padua, Verona und dem Gardasee nach Bergamo genehmigt, knapp an der Mailand-Kontrollzone vorbei. Bergamo stellten wir uns als kleinen Flugplatz am Rande des Gebirges vor. Tatsächlich ist es aber der Hub von Ryanair und ständig starten und landen Ryanair Flugzeuge aus allen Städten Europas. Im Terminal wimmelte es von tausenden Touristen und weil es keine Kleinflugzeuge gibt, gibt es auch kein AVGAS, sondern nur Kerosin. Zum Preis von € 4,- pro Liter könnten wir am nächsten Tag AVGAS bekommen, Gott sei Dank hatten wir aber noch so viel Sprit an Bord, um damit bis zur nächsten Destination nach Locarno in der Schweiz zu gelangen. Nach dem Start rauschte es im Funkgerät wieder heftig, jedoch konnten wir die Verursacher sofort sehen, nämlich mehrere große Sendemasten auf einem Berg. Als wir außerhalb deren Reichweite waren, funktionierte der Funk wieder bestens.


40 Viertausender

Monte Rosa
Matterhorn
Matterhorn

Um nach Locarno zu kommen, wurden uns drei Wegpunkte über dem Comersee, Luganosee und Monte Ceneri aufgetragen. Am Platz herrschte Hochbetrieb an startenden und landenden Segel- und Motorflugzeugen und Fallschirmspringern. Unsere Absicht war, in Locrano gemütlich zu übernachten, um am nächsten Tag zu unserem Reisehöhepunkt - des Umfliegens der 40 höchsten Gipfel der Alpen - zu starten. Mit einem erfahrenen Piloten, der schon mehrmals im Gebiet der Viertausender geflogen war, besprachen wir unser Vorhaben. Er meinte, dass das Wetter heute dafür so optimal sei, wie selten im Jahr. Wolkenstau nur im Südosten, vollkommen klare Luft mit unendlicher Fernsicht, Windstille, also keine Turbulenzen und Gefahren von Lee im extrem hohen Gebirge. Am nächsten Tag sollte es durch Föneinfluss wieder diesig sein und auch mit heftigeren Turbulenzen und weniger Licht ist zu rechnen. Obwohl es schon spät am Nachmittag war, sprangen wir ins Flugzeug und rollten zur Tankstelle, um es aufzutanken. Dann machten wir einen Flugplan mit allen Wegpunkten des Gebirges und Enddestination Bern. Anschließend starteten wir zur eindrucksvollsten Flugstrecke, die wir je geflogen sind.
Mit Direktkurs zum Monte-Rosa-Massiv überquerten wir das große Eck über italienischem Territorium. Um den Motor nicht überzustrapazieren, erlaubten wir ihm einen langsamen Steigflug. Bereits am Weg zum ersten Wendepunkt passierten wir etliche über 4.000 Meter hohe Gipfel des Monte Rosa Gebirges und der Walliser Alpen. Bis wir bei der Dufourspitze ankamen, erreichten wir 12.000 Fuß. Nach Umkreisen des riesigen 4.634 m hohen Gebirgsstockes waren es nur mehr wenige Flugminuten zum angeblich schönsten Berg der Welt - dem Matterhorn. Obwohl wir bereits das Gas gedrosselt hatten, trug uns offensichtlich die Thermik bis 4..... m Höhe. Nun stand das Matterhorn direkt vor uns. Viele Legenden ranken sich um diesen berühmten Berg. Nicht umsonst ist das Matterhorn auch Attraktion in allen weltweiten Disneyländern. Wir umkreisten den sagenhaften Gipfel und ein unglaubliches Glücksgefühl machte sich breit. War das ein Anzeichen für mangelnden Sauerstoff in so großer Höhe, oder das Glücksgefühl 40 über 4.000 m hohe Berge rund um uns zu sehen? Wir kontrollierten unsere Fingernägel, ob es darunter Blau wird, das wäre ein Anzeichen von mangelndem Sauerstoff - wenn man in kürzester Zeit vom Erdboden bis zu einer so großen Höhe aufsteigt - gewesen. Gott sei Dank war das nicht der Fall und so flogen wir die einzelnen Gipfel nacheinander ab. Bei traumhafter Sicht und abendlicher Beleuchtung machte Ewald von den unzähligen Gipfeln, langgezogenen Gletscherzungen und extrem tiefen Tälern über 400 Fotos. Zermatt war nur ein winziger Punkt unter uns und der Glacier Express kaum auszumachen. Optisch besonders hervorstechend ist auch das Breithorn, der Mönch und die Jungfrau. Ein Kapitel für sich auch der Eiger und die Eiger Nordwand. Der Gipfel ist zwar nur 3.970 m hoch, doch die Nordwand ist tatsächlich so markant, wie man sie von Bildern der vielen Bergtragödien und Spielfilmen kennt. Wir waren als Flugzeug allerdings nicht alleine in der Gegend, denn eine auch Pilatus Porta befand sich hier oben, offensichtlich um Passagieren dieses einzigartige Panorama zu zeigen.
Während des Fluges war es gar nicht möglich, alle 40 Viertausender Gipfel zu identifizieren. Erst zu Hause - mit der Landkarte - konnte die Bilanz aller Gipfel der 3 Gebirgsgruppen erstellt werden => alle 40 Viertausender Gipfel.
Nachdem wir die Gipfel umflogen und das einzigartige Naturschauspiel genossen hatten, nahmen wir Abschied und begannen den Sinkflug. Über den Thunersee ging es Richtung Bern. Dort wurden wir aufgrund unseres Flugplanes schon erwartet. Weil Bern die Hauptstadt der Schweiz ist, vermuteten wir einen großen Flugplatz mit dem üblichen Handlingprozedere und hohen Kosten. Aber genau das Gegenteil ist in Bern der Fall. Ein lieblicher kleiner Flugplatz, vollkommen unkompliziert, freundliches Personal und das Hotel direkt am Flugplatz mit Blick zum geparktem Flugzeug. Beim Abendessen ließen wir die Eindrücke des Tages noch einmal Revue passieren. In der Früh war es in Zagreb unklar, ob wir wegen der schlechten Sicht überhaupt fliegen können. Am Abend erkundeten wir die höchsten Berge Europas bei Traum-Wetterkonditionen, wie sie nur selten vorkommen. An der Sprache der Kellnerin, die uns bediente, erkannten wir sofort, dass es keine Schweizerin sein kann. Tatsächlich war es eine Schülerin der HBLA Amstetten, die dort ihre Ferialpraxis absolvierte. Sie freute sich, dass sie Gäste direkt aus ihrer Heimat bedienen konnte.
Am nächsten Tag wurden wir durch die Brenner von zwei aufsteigenden Heißluftballonen geweckt. Bald danach rollte der Jet der Schweizer Luftwaffe an unserem Hotelfenster vorbei. Weil in Bern die Schweizer Regierung ansässig ist, war es möglicherweise sogar der Schweizer Bundespräsident. Jetzt stellte sich heraus, dass die Entscheidung, die Viertausendergebirge noch am Vorabend zu überfliegen, die richtige war. Über den hohen Bergen lag tatsächlich Dunst und es war wesentlich trüber als am Vortag. Wir freuten uns, dass wir die beste Entscheidung getroffen hatten.


Fliegernostalgie und Spaceshuttle

Dom zu Speyer

Nach einem ausgiebigen Schweizer Käsefrühstück, saßen wir alsbald wieder im Flugzeug und flogen über der Dunstgrenze zur nächsten Destination nach Baden-Baden. Durch die Schweiz wurden wir von mehreren Informations- und Approchfrequenzen begleitet. Über Solothurn ging es nach Basel, rechts am Horizont war Zürich zu erkennen. Nach Überquerung des Rheins flogen wir über dem Schwarzwald nach Freiburg, bald danach zur linken Hand Straßburg in Frankreich und kurz darauf die Landung in Baden-Baden. Der Flugplatz Baden-Baden besteht aus einem weitläufigen Areal mit vielen Gebäuden, Hangars, Werften und Firmen. Wir landeten hier deshalb, weil wir die Firma Flight Service aufsuchen wollten. Diese Firma beschäftigt sich mit Organisation von Flugplänen und Besorgung von Flight Permissions für exotische Staaten. In einem sehr interessanten Expertengespräch erfuhren wir, wie solche Permits zustande kommen und welche Probleme es dabei gibt. Besonders erkundigten wir uns über die von uns geplanten Flüge, die wir für die Zukunft vorhaben. Dabei erfuhren wir zwei schockierende Neuigkeiten:

  • In Syrien darf seit neuesten nur IFR geflogen werden, Sichtflüge sind nicht mehr erlaubt. Das bedeutet, dass man in 24.000 Fuß mit IFR zugelassenen Flugzeugen und IFR-Schein Luftstraßen fliegen muss. Damit ist ein Einflug nach Jordanien und Israel von der Festlandseite aus nicht mehr möglich.
  • Für die Umrundung des Schwarzen Meeres - einem unserer weiteren Ziele - gibt es für das russische Territorium ein Problem, das dieses Vorhaben zum Scheitern verurteilt. Es darf nämlich nur mit einem russischen Lotsen an Bord geflogen werden. Für diesen ist neben der Tagesgebühr von $ 250,- auch noch ein 1. Klasse-Flugticket von Moskau nach Odessa und retour, sowie sämtliche Hotel- und Nebenkosten zu bezahlen. Außerdem ist AVGAS entweder gar nicht, oder nur auf dem Schleichweg zum etwa 10-fachen Preis erhältlich.

Schon um diese zwei negativen Meldungen zu erfahren, hat es sich gelohnt, in Baden-Baden zu landen, denn solche Insider-Informationen sind nirgends veröffentlicht.
Die weitere Strecke führte uns nach Speyer zum zweiten Höhepunkt unseres Fluges. Dort wollten wir den ganzen Tag verbringen, um das Luftfahrt- und Technische Museum zu besichtigen. Schon lange vor dem Endanflug konnte man den auf hohen Stelzen fixierten Jumbojet Boing 747 des Luftfahrtmuseums erkennen. Das Auftanken des Flugzeugs war rasch erledigt, nur 300 m vom Hotel entfernt wurde uns ein Abstellplatz für das Flugzeug zugewiesen. Nach dem Einchecken im Museumshotel stürzten wir uns sofort ins Geschehen. Die Auswahl an bestens erhaltenen Exponaten ist riesig. Von der Entwicklung der Dampfmaschinen über Kolbenmotoren bis zu Düsentriebwerken, von ersten Dampfeisenbahnen über gigantische Dampflokomotiven bis zur Dieselgeneration. Sehenswert ist auch der original Eisenbahnwagon von Adolf Hitler mit Besprechungsraum, Essensraum, Schlafzimmer und Küche. Zahlreiche Luxus-Autokarossen von vor dem ersten Weltkrieg bis zur USA Straßenkreuzer Epoche, Schiffe, U-Boote und natürlich über 70 Flugzeuge und Hubschrauber, vom 1. Weltkrieg Doppeldecker bis zum Jumbojet sind zu bestaunen. Die meisten Personen-, Fracht- und Jagdflugzeuge sind auf hohen Stelzen montiert und selbstverständ-lich sind fast alle auch begehbar. Spätestens dann, wenn man auf der Tragfläche eines Jumbojets steht, wird einem bewusst, wie groß dieses Flugzeug ist. Per geschlungener Rutsche geht es zurück auf die Erde. Auch das größte Flugzeug der Welt - eine Antonov AN 22 - kann bestiegen und besichtigt werden. Ein weiterer Höhepunkt ist das, seit Oktober 2008 eröffnete, Raumfahrtmuseum. Zwei original Spacelabs, Komponenten der Weltraumstation und vor allen Dingen das gigantische riesige Spaceshuttle „Buran“ kann genau besichtigt werden. Erst wenn man so etwas selbst gesehen hat, kann man sich vorstellen, wie eine Weltraumstation funktioniert, und wie es passieren kann, dass sich einige der schwarzen oder weißen Kacheln beim Spaceshuttle-Start ablösen.
Im größten Imax-Panoramakino Europas startet zu jeder Stunde ein neuer Film. Wir entschieden uns für einen Fliegerfilm über die Kunstflugstaffel Blue Angels. Auf der riesigen 3-D-Leinwand kann alles so miterlebt werden, als würde man selbst im Flugzeug sitzen. Das Flugzeug Museum Speyer ist wirklich eine Sensation und ein Leckerbissen für alle, die sich für Technik und Luftfahrt interessieren.
Den Abend verbrachten wir im Zentrum von Speyer. Der Dom zu Speyer ist der größte in Deutschland und von der Dimension her wirklich imposant. Die Innenausstattung ist jedoch eher nüchtern. In einem der vielen Schanigärten konsumierten wir unser letztes Abendmahl auf diesem Flug.


Nach Hause

Donau + Altmühl
Glücklich zurück

Nächste Station war Mannheim, das nur wenige Flugminuten von Speyer entfernt liegt. Direkt über dem Hockenheim Ring und Ludwigshafen geht es über die City von Mannheim knapp über hohen Häusern, zur Landung. Der am Flugplatz angesiedelte Flugbedarfhändler verkauft viele unserer Bücher (Flugabenteuer - zwischen Wüsten und arktischem Ozean), daher besuchten wir den Laden. Weil das Wetterradar weiter im Westen bereits wieder eine Schlechtwetterfront anzeigte, machten wir uns auf den Weg nach Hause. Nach verlassen der Turmfrequenz flogen wir bei heftigen Gegenwind fast drei Stunden lang, diretissima nach Seitenstetten. Vorerst von Langen-Information, später von zwei Frequenzen München-Information wurden wir durch Deutschland gelotst. Links unter uns Heidelberg mit dem geschlungenen Neckar, rechts unter uns Heilbronn, Schwäbisch Hall und das Altmühltal. Auf der rechten Seite Ingolstadt und die Donau, die sich in Kelheim mit der Altmühl vereint und den Rhein-Main-Donaukanal bildet. Quer ab Regensburg, Straubing, Landshut überflogen wir die Isar, Vils und den Inn. Gleich nach der Grenze erlaubte uns Linz-Approch schnurgerade die Kontrollzone zu überqueren. In Linz landete unter uns ein AUA Flugzeug und auch der Gegenverkehr war bestens geregelt. Hätten wir die Kontrollzone umflogen, hätte das wesentlich mehr Zeit und Treibstoff gekostet.
Nun waren wir wieder zu Hause. Auch wenn wir nicht nach Frankreich fliegen konnten und drei geplante Flugplätze auslassen mussten, hat es mit dem Umfliegen von 40 Viertausender in der Schweiz und den Museen in Zagreb und Speyer absolute Höhepunkte gegeben. Wir flogen über 6 Staaten und haben wieder einiges dazu gelernt, das in keinem Lehrbuch steht, sondern nur in der Praxis erlebt werden kann. Am Weg vom Flugplatz nach Hause philosophierten wir schon wieder davon, wo es 2010 hingegen wird.