WEITERE FLÜGE

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Insel-Umrundung, Letzte Reise Der Costa Concordia, 40 Viertausender

Man muss warten können auf sein Glück“ – heißt es in einem alten Schlager. Genauso ist es auch bei der Sicht-Fliegerei. Manchmal passt das Wetter gar nicht, plötzlich ergibt sich die Chance, einen tollen Flug bei besten Wetterbedingungen machen zu können. So war es bei unserem heurigen Flug, der uns über 5 Staaten führte und 3 absolute Highlights bescherte.

Insel-Umrundung

Um Fakten für eine im Herbst geplante Umsegelung der Insel Elba mit 3 Happy Cats zu sammeln, starteten wir zu einem Direktflug auf die Mittelmeerinsel. Nach dem Abflug in Seitenstetten ging es zunächst auf 8.500 Fuß, wegen höher liegender Restbewölkung mussten wir später noch weiter steigen, um diese zu überfliegen. Nach den Karawanken waren keine Wolken mehr, dafür eine herrliche Bergkulisse mit schneebedeckten Gipfeln. Um den drei Militärsperrgebieten in Norditalien auszuweichen, wählten wir einen Kurs durch Slowenien mit dem ersten Wegpunkt in Triest. Von dort ging es südlich von Venedig, Bolognia und Florenz, schnurgerade bis zu unserem Endziel der Insel Elba. Zuerst eine Stunde über die Adria, dann über das Festland, die Toskanischen Alpen und dem Golf von Genua. Wenn man vermeiden möchte, hin und her und auf und ab geschickt zu werden, muss man in Kauf nehmen, mit vielen Funkstellen - insgesamt waren es 11 – zu sprechen. Das machte sich bezahlt, denn überall erhielten wir die Freigabe für einen Direktkurs und auch die IFR-Höhe wurde uns immer genehmigt.


Nach 3 ½ Stunden Flug und Landung am Flugplatz Marina di Campo fanden wir im Aviotel Hotel – direkt neben dem Flugplatztower - ein nettes Zimmer. Um mögliche Boots-Ladungs- und Campingplätze zu erkunden, wollten wir ein Leihauto mieten. Allerdings waren alle vergeben. Das Taxi wäre unbezahlbar teuer gewesen, sodass wir uns entschlossen, die Inselumrundung mit einem Motorrad-Scooter zu machen. Seit meiner Motorrad-Führerscheinprüfung vor 49 Jahren bin ich nicht mehr Motorrad gefahren, aber scheinbar verlernt man das nicht. Und so kurvten wir geschützt durch massive Helme bergauf und bergab zu allen wichtigen Stellen der Segel-Umrundung.


Früh am nächsten Tag tankten wir unser Flugzeug zum horrenden Preis von € 3,60 pro Liter AVGAS. Nach Anlegen der Rettungswesten starteten wir auf Piste 34 - also Richtung Gebirge - zu einem 2 Stunden Flug über das offene Meer. Als erstes war die Umrundung von Elba mit dem Flugzeug angesagt. Was wir am Vortag vom Land aus gesehen hatten, konnten wir nun aus der Vogelperspektive beobachten und fotografieren. Für die Segelumrundung werden die Fotos der Buchten und Anlegemöglichkeiten eine wichtige Hilfe sein.

Costa Concordias letzte Reise

Dann ging es zum nächsten Ziel, die Insel Giglio, wo am 13.1.2012 das mit 4.229 Personen besetzte Kreuzfahrtschiff Coast Concordia auf einen Felsen auffuhr und dabei 32 Menschen ihr Leben lassen mussten. Wir wussten von den Nachrichten, dass das mit Millionen-Aufwand aufgerichtete Schiff in den nächsten Tagen nach Genua zum Abwracken geschleppt werden sollte. Rom-Information genehmigte uns einen Überflug in 3.000 Fuß. Beim Anflug der Insel aus Westen war zunächst nur der malerische Ort Giglio auf der Bergspitze zu sehen. Nach Überqueren war es plötzlich da - das aus dem Fernsehen gewohnte Bild der gestrandeten Costa Concordia. Gänsehaut lief uns über den Rücken, so ergreifend und imposant war die Szene aus der Luft. Wenn man an die Umstände dieses Unglücks und das Schicksal der Passagiere und 32 Toten denkt, macht das sehr betroffen. Auch von der Luft aus, war die braune Wasserlinie und die Tanks vom Aufrichten und Aufheben des Schiffes gut zu erkennen. Rund um das Schiff waren markante Ölsperren errichtet, sodass das Schiff zuerst seitlich vom Standort weggezogen werden musste, um dann nach Genua geschleppt zu werden. Begleitet von Sicherungsschiffen in der Nähe, sahen wir drei riesige Schleppschiffe, die die Costa Concordia seitlich wegziehen sollten. Trotz Vollgas – was durch die Schiffsschraubenwellen leicht zu erkennen war – bewegte sich das Havarier-Schiff aber offensichtlich kaum.


Wir umflogen die Stelle mehrmals und machten Fotos und Film-Sequenzen von allen Seiten. Außer uns war sonst kein Flugzeug unterwegs. Während auf der Insel hunderte Journalisten anwesend waren, um den Abtransport zu fotografieren und zu filmen, hatten wir die allerbeste Aussicht und die Möglichkeit sensationelle historische Bilder zu machen. Während der Fahrt nach Genua ist der gesamte Luftraum gesperrt, sodass es keine Luftaufnahmen geben wird. Als wir genug gesehen hatten, nahmen wir Kurs auf unser nächstes Ziel nach Turin. In 6.000 Fuß ging es über den Golf von Genua Richtung Savona. Dazwischen gab es 3 Meldepunkte über dem Meer. Es ist schon sehr beruhigend, wenn jemand den Flugverkehr im Auge behält, denn unter uns waren nur wenige Schiffe …, aber diesen Gedanken muss man ohnehin verdrängen, wenn man lange über dem Meer fliegt. Irgendwann kam Land in Sicht und in Savona überflogen wir den Heimathafen aller Costa Schiffe. Dort hätte auch die Costa Concordia ankommen sollen.


Nach mehreren Wegpunkten am Festland, erreichten wir Turin, wo wir auf dem Flugplatz der Air-Italia landeten. Gewöhnungsbedürftig war der sehr niedrige Anflug direkt über den Häusern von Turin, um den darüber anfliegenden Großflugzeugen des Flughafens Turin-International nicht in die Quere zu kommen. Der Flugplatz wird vom italienischen Aeroclub betrieben, verfügt über 6 große Hangars und es wird aktiv Motor- und Segel geflogen. Erfreulicherweise gibt es keine Lande- und Parkgebühr und das AVGAS kostet „nur“ € 2,50.


Nach Einchecken im Holiday Inn, konnten wir eine geplante Geschäftsbesprechung im Zentrum von Turin abhalten. Als wir abends die Fernseh-Nachrichten sahen, erfuhren wir, dass wenige Stunden zuvor die Boing 777 der Malaysian Airways über der Ukraine abgeschossen wurde.

40 Viertausender

Im Jahr 2009 haben wir bei glasklarem Schönwetter die Schweizer Alpen mit ihren 40 Viertausendern überflogen. Das war der schönste und ergreifendste Flug, den wir je unternommen hatten. Das wollten wir noch einmal erleben, zusätzlich auch den höchsten Berg Europas den Mont Blanc und die anderen hohen Berge in Frankreich. Weil wir zur Abfertigung vom Schengen-Flugplatz Turin für eine Landung in der Schweiz auf den internationalen Flughafen Turin fliegen hätten müssen, und der Flugplan 3 Stunden vor Abflug aufgegeben werden muss, verzichteten wir darauf, in der Schweiz zu landen, sondern gleich in Friedrichshafen.


Langsam stiegen wir über Frankreich zunächst auf 10.000 Fuß, um den auf 6.600 Fuß gelegenen Flugplatz Courchevel – dem höchsten Flugplatz Europas - zu fotografieren. Ursprünglich wollten wir dort landen, jedoch braucht man für die nur 500 Meter lange und 20 % steile Piste eine extra Einschulung und Sondergenehmigung. Tatsächlich schaut das ganze aus der Vogelperspektive furchterregend aus. Auf der kurzen steilen Betonlandepiste muss bergauf gelandet und bergab gestartet werden.

 

Nun stiegen wir weiter auf fast 14.000 Fuß zum Mont Blanc, dem höchsten Berg Europas. Die Szenerie aus dieser Höhe ist einfach unbeschreiblich. Man sieht die Gipfel von etwa 40 Viertausendern und noch mehr Dreitausender. Durch die klare Luft und Sonne war alles zum Greifen nahe. Vorbei ging es am Grand Combin, Monte Rosa, zum markantesten aller Berge - dem Matterhorn. Das Matterhorn zu umkreisen ist ein ergreifender Moment. Der oberste Gipfel ist so steil, dass man sich nicht vorstellen kann, da hinaufzuklettern. Tief unten im Tal liegt Zermatt und der Cornergrat-Gipfel, auf den eine Zahnradbahn führt. Östlich des Matterhorns liegt der Theodul Gletscher, auf dem die Skilifte auch im Hochsommer in Betrieb sind. Weiter ging es über das Breithorn, die Valiser und Berner Alpen vorbei am Jungfrau, Mönch, Eiger und den vielen anderen schneebedeckten Gipfeln und Gletschern. Aufgefallen ist uns, dass seit 2009 einige dieser Gletscher merkbar zurückgegangen sind.

 

Nach etwa einer Stunde über den höchsten Bergen Europas, hieß es Abschied nehmen von diesem unbeschreiblich schönem Alpenpanorama und stufenweise sinken auf 3.000 Fuß. Mit Kontakt zu mehreren Schweizer Funkstellen ging es nun direkt nach Friedrichshafen.

Dornier- und Zeppelin-Museum

Nach Einchecken im Flughafen Ibis-Hotel hatten wir eine Besprechung mit der Messeleitung Friedrichshafen. Anschließend besuchten wir das Dornier-Museum, wo mit Fotos und Original-Exponaten das Leben des Flugpioniers Claude Donier zu sehen ist. Bereits Anfang 1900 besonders aber vor und während des 2. Weltkrieges entwickelte Dornier Bahnbrechendes im Bereich der Luft- und Raumfahrt. Legendär waren die riesigen Flugboote, die schon vor dem Krieg den Atlantic überquerten. Durch den Film von Bernhard Grzimek „Serengeti darf nicht sterben“, ist bei Sportfliegern die DO 27 besonders bekannt. An mehreren Firmen-Betriebsstandorten ist die Fa. Dornier auch heute intensiv in der Flug- und Raumfahrt tätig.

In einer Sonderausstellung war alles über den letzten Stand der Entwicklung des Werkstoffs CARBON zu sehen.

Das Zeppelin-Museum in Friedrichshafen zeigt die Geschichte der Zeppelin Luftschiffe von Anbeginn bis zur Brandkatastrophe am 6. Mai 1937 in Lakehurst/USA. Mit Originalteilen, Modellen, Zeitungsberichten und Filmen kann der Museumsbesucher die Ära der Zeppeline genau verfolgen. Dass Friedrichshafen auch weiterhin Zeppelinstadt geblieben ist, sieht man daran, dass vom Flughafen aus, die modernen Passagier-Zeppeline ständig ihre Runden über dem Bodensee drehen.

Nach Hause

Bei weiterhin herrlichem Schönwetter flogen wir am nächsten Tag schnurgerade nach Seitenstetten

zurück. Immer wieder interessant sind unterwegs die zahlreichen Bayrischen Seen, die österreichischen Alpen von der Nordseite und zuletzt das Salzkammergut. Eine interessante Flugreise, die uns über Slowenien, Italien, Frankreich, Schweiz und Deutschland geführt hat, war damit wieder zu Ende.

 


Text: Wolfgang Grabner

Fotos: Ewald Grabner - folgen noch