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Der 200. Flugplatz

Auf 200 verschiedenen Flugplätzen zu landen ist für Sportpiloten nicht alltäglich. Oftmals kommen auch Flugkapitäne während ihrer aktiven Laufbahn auf keine so hohe Anzahl – dafür landen sie 100te Male auf dem gleichen Flugplatz.

Anlässlich eines Kroatien-Fluges landete Wolfgang Grabner am 28.8.2012 auf seinem 200. Flugplatz. 198 war PULA, 199 VRSA und der 200. der exotische Flugplatz GROBNIK (LDRG) bei Rijeka.

Am Vortag war das schönste Wetter des Jahres, am Tag des Fluges jedoch eine teilweise geschlossene Wolkendecke über dem Gebirge. Wir starteten in aller Herrgottsfrühe und stiegen auf 8500 Fuß, um sicher über alle Gebirge und den Wolken zu kommen. Für die TMA Zeltweg und Klagenfurt erhielten wir sofort die Überflugs-Genehmigung. In Slowenien und Kroatien hielten wir mit 4 weiteren Flugrequenzen Kontakt. Nach 2 Stunden Flug landeten wir auf der 2950 m langen Piste in PULA (LDPL). Nach dem Auftanken erkundigten wir uns über den Flugplatz GROBNIG (LDRG), über den im Vorfeld nichts oder nur wenig zu erfahren war. Nicht einmal die Bodenstelle von Pula wusste Bescheid über eine mögliche Landung und es gibt auch kein Anflugsblatt. Wir gaben daher vorerst einen Flugplan nach VRSA auf, in der Hoffnung, dort mehr zu erfahren. Inzwischen waren auch 2 Verkehrsflugzeuge gelandet und wir mussten das gleiche zeitaufwendige Einreise-Prozedere absolvieren, wie alle anderen vom Ausland kommenden Passagiere.

Auf der kurzen Strecke nach VRSA liegt die schönste kroatische Stadt - ROVINJ. Sie ist auf den Titelseite der Adria-Prospekte zu sehen, auf der Anhöhe die malerische Kirche, darunter Hafen mit Mole und angrenzende Strände. Wir umkreisten ROVINJ, um Fotos und Film des Ortes, der Strände des größten kroatischen FKK-Geländes zu machen. Dann erfolgt der Anflug auf den nahe gelegenen Flugplatz VRSA (LDPV). Die 750 m lange Asphalt-Piste liegt mitten im Wald, der Anflug erfolgt direkt über eine Meeresbucht. Der greise ex Fluglehrer Controller machte sich mit der überhöhten Landegebühr zwar ein Körberlgeld, seine Erfahrung und Empfehlungen für den nächsten Flug nach GROBNIG waren allerdings sehr hilfreich für uns.

Nach Stärkung im Iglu des ansässigen Flugzeugmuseums überquerten wir Istrien, um am dubiosen Flugplatz Grobnik zu landen. Nach Überfliegen vom Zentrum Rijekas liegt der Platz unmittelbar in den Bergen zwischen Autobahn und einer Auto-Rennstrecke. Die Empfehlungen des Vrsa Controllers waren nun sehr hilfreich, weil sich tatsächlich niemand am Funk meldete, kein Windsack existierte, mittlerer Bora-Wind wehte und wir daher die Landerichtung 07 wählten, so wie er es uns empfohlen hatte. Grobnik besteht aus einer langen Asphalt-Piste, einem kleinen Hangar mit Abstellplatz und dem Gestell des ehemaligen Windsackes. Vier Personen waren mit Arbeiten beschäftigt, von uns nahm niemand Notiz. Natürlich gibt es auch keine Landegebühr.

Weil ausgerechnet dieser Flugplatz mein 200. unterschiedlicher Flugplatz war, machten wir Andenken-Fotos und genossen im angrenzenden Gasthaus ein üppiges kroatisches Mittagessen.

Nachdem Start auf Piste 25 waren wir rasch über dem Meer und sogleich begann das Lande-Prozedere für den internationalen Flughafen Krk Island (LDRI). Dort mussten wir landen, um wiederum aus Kroatien ausreisen zu können. Die Zollabfertigung für den Flug in die Europäische Union war gleich wie bei der Einreise. Noch schnell den Flugplan aufgeben und ein Anruf nach Seitenstetten, damit die Polizei und der Zoll bei der Ankunft rechtzeitig hier sind. Sodann wurden wir von 2 Zöllnern zum Flugzeug begleitet und das wurde genauesten kontrolliert. Was die Zöllner gesucht haben, blieb uns ein Rätsel, vielleicht glaubten sie, dass wir antike Amphoren aus dem Land schmuggeln möchten.

Nachdem Start bekamen wir einen Direkt-Flug nach Seitenstetten, der uns vorerst über Kroatien, dann Slowenien und über die Karawanken wieder nach Österreich führte. Bereits bei den Karawanken gabe es sehr hohe Wolkentürme, sodass unsere Flughöhe von 9500 Fuß kaum reichte zwischen den Wolkenschüben durchzukommen. Weil das Flugzeug ja ohnehin der Autopilot steuerte, erlaubten wir ihm, dass er uns des öfteren auch direkt durch die Wolken lenkte. Die Freigabe zum Durchflug der TMA Klagenfurt und Militärzone Zeltweg war wieder rasch eingeholt. Weil wir in Zeltweg direkt über der Piste und dem Eurofighter-Hangar flogen, drehten wir zwei Runden, um zu fotografieren und zu filmen. Der Radar-Controller hat das aber sofort bemerkt und wir mussten einen entsprechenden „Rüffel“ über uns ergehen lassen. Über den Niederen Tauern und bald darauf den Ennstaler Alpen standen wiederum hohe und dichte Wolkenbänke. Unsere Höhe reichte nicht aus, um darüber zu kommen, sondern wir mussten noch weiter steigen, um nicht zu lange in die Wolken einzutauchen.

Mit großer Höhe kamen wir im wolkenfreien Mostviertel an, schlossen über Wien Information den Flugplan und holten uns von Linz Radar eine Freigabe zum Abgleiten der Höhe in der TMA Linz ein. Am Boden warteten schon ein Polizist und der Zöllner. Aber auch hier gab es nichts zu deklarieren, denn außer dem Mittagessen im Bauch hatten wir nichts an Bord, was nicht auch schon beim Abflug dabei war.

Da merkt man schon die Vorteile der Europäischen Union, wo es keine Grenzkontrollen gibt und man mit Euro statt mit kompliziert umgewechselten Kuna bezahlen kann. In Kroatien wurden wir angesprochen, dass das Land ab 1.7.2013 ebenfalls bei der EU sein wird. Aber das scheint eher ein Wunschtraum zu sein, denn die Entscheidung darüber liegt noch in den Sternen.

Alles in allem war es kein spektakulärer, aber interessanter Tages-Aus-Flug mit Erkundung eines unbekannten Flugplatzes, Landung auf dem 200. Neuen Flugplatz und vor allen Dingen Erprobung eines neuen Film- und Tonsystems, bei dem auch Funksprüche aufgenommen werden können. Auf den Film, den Ewald in Kürze schneiden wird, bin ich schon sehr gespannt…

Text: Wolfgang Grabner
Fotos + Video: Ewald Grabner