WEITERE FLÜGE

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Fact Finding Excalibur und Neusiedlersee

Schon öfters habe ich gehört, dass beim österreichisch/tschechischen Grenzübergang Klein Haugsdorf vor einiger Zeit die Excalibur City errichtet wurde. Auch im Fernsehen wurde sie einmal vorgestellt und zuletzt war in der Sky Revue zu lesen, dass es dort auch einen eigenen Flugplatz geben sollte. Neue Flugplätze interessieren mich immer, jedoch waren weder in der Sky Revue, noch auf der Excalibur Homepage Details über Kennung, Bodenfrequenz und Anflugblatt ersichtlich. Ohne irgendeine Information auf einem fremden Flugplatz im Ausland wild zu landen, wollten wir nicht, deshalb ging die Reise zuerst zum Flugplatz Znaim LKZN. Von diesem Platz gibt es alle Information, doch ist er wochentags nicht besetzt, sodass man sich um das Flugplanschließen via Praha-Information, die Landerichtung nach Windsack bestimmen und eine Blinddurchsage auf der Brünn-Info-Frequenz selbst kümmern muss.

Znaim und Excalibur

Der Flug am frühen Morgen war total ruhig. Zur linken Hand Grein, das Yspertal, der Ostrong, Ottenschlag, Gföhl, Horn und der Bahnknotenpunkt Siegmundsherberg. Besonders auffällig Stift Altenburg, Stift Geras, Riegersburg und Schloss Hardegg. Auf der rechten Seite Amstetten, Ybbs, Melk, Wachau, Krems, das Kamptal, die Rosenburg, Eggenburg und Retz. Bei Wien-Information erkundigten wir uns, ob es möglich ist, dass unser Flugplan von Wien-Info geschlossen wird, jedoch geht das nicht, sondern erst im Land der Landung. Nachdem Znaim nahe der österreichischen Grenze liegt, blieb wenig Zeit, den Flugplan bei Praha-Information zu schließen. Wie vorausgesehen, war der Grasplatz nicht besetzt, sodass wir auch nicht erfragen konnten, wie das Landeprozedere am Excalibur Flugplatz funktioniert. Also war selbst ausprobieren angesagt. Nur wenige Minuten nach dem Start in Znaim überflogen wir den Excalibur Flugplatz, um die Landerichtung festzustellen und eine Landeankündigung über Brünn-Information durchzugeben. Außer ein paar Arbeitern, die ein Festzelt aufbauten, war auch hier niemand am Platz, es gibt keinen Tower und keine Landegebühr. Besonders ins Auge gestochen sind uns aber sofort die riesengroßen Pistenmarkierungs-Dachreiter die beinahe Menschengröße haben.

Direkt neben dem Flugplatz liegt das Casino und das 4-Sterne Hotel Savannah. Das im Las Vegas-Stil großzügig errichtete Hotel ist trotz dem Luxus erstaunlich günstig, verfügt über eine eigene Spa-Abteilung und ein umfangreiches indisches ayurvedisches Therapieangebot. Nun war die Erkundung der Excalibur City angesagt. Das 250.000 m² große Areal, verfügt über 271 Shops, 210 Asia Bazar Stände, 14 Gastronomiebetriebe, 4 Casinos, und vor allen Dingen eine disneyartige Kinderwelt mit über 200 Attraktionen. Vor der Excalibur City steht eine 4-strahlige Illuschin IL-62, die zu einem Restaurant umgebaut wurde. Das 1967 gebaute Passagierflugzeug diente von 1969 bis 1990 als Regierungsflugzeug der CSSR Führung, wurde dann an die Air Georgia verkauft, und ist seit 2000 die Attraktionen beim Excalibur.

Wir besichtigten die Anlage, bummelten im Factory Outlet, in dem – wie in Parndorf – zahlreiche Nobelmarken ein Outlet betreiben. Im gigantischen Asia Bazar gibt es ein kaum überschaubares Angebot an Bekleidung, Schuhen, Taschen, Lederwaren, Elektronik, Uhren uvm. Die Preise sind so extrem niedrig, dass man sich überhaupt nicht vorstellen kann, wie es so etwas gibt. Zum Beispiel kosten 4 Shorts offiziell € 10,-, nach handeln € 8,-. Dass die vielen „Markenwaren“, von der Rolex über Nobelhandtaschen zu Textilien gefälscht sind, versteht sich von selbst, denn im gegenüberliegenden Factory Outet kosten sie mehr als das 10-fache.

Znaim
Znaim
Znaim
Excalibur Airfield
Excalibur City
Excalibur Airfield

Flugplan nach Österreich

Als wir alles gesehen hatten, wollten wir in der Hotelrezeption einen Flugplan nach Österreich aufgeben. Beim Telefonat mit Prag erfuhren wir, dass das überhaupt nicht möglich ist, sondern dass wir nach Brünn fliegen müssen, um von dort auszureisen. Nach einem Telefonat mit Brünn war das dann zwar nicht notwendig, doch sollten wir einen Flugplan ausfüllen und faxen. Das Problem war aber, dass wir kein leeres Flugplanformular hatten und auch kein Faxgerät. Nach eindringlichem Verhandeln war es dann aber doch möglich, dass der Flugplan auch per Telefon angenommen wurde.

Spitzerberg und Neusiedlersee

Nach dem Start öffneten wir den Flugplan mit Brünn-Info und meldeten uns gleichzeitig in Tschechien wieder ab. Am Flug nach Spitzerberg erlaubte uns Wien-Information eine Reiseflughöhe von 4.500 Fuß, erst in der Nähe von Wien wurden wir aufgefordert auf 2.500 Fuß zu sinken. Selbst als Niederösterreicher kommt man selten ins Weinviertel. So war es interessant, die meist flache, dicht mit Weinstöcken bewachsene Gegend aus der Luft zu beobachten. Links Laa an der Thaya, Mistelbach, Gänserndorf, Straßhof, Hainburg. Zur rechten Hand Wolkersdorf, Deutsch-Wagram, Wien und Deutsch-Altenburg.

Die Landung am Spitzerberg ist so etwas wie „Heimkehren“ für mich. Dort habe ich als 16-jähriger das Fliegen gelernt, sämtliche Scheinerweiterungen und auch die Fluglehrerausbildung gemacht. Immer wieder ist es ein vertrautes Erlebnis, dorthin zurückzukehren. Und die Zeit scheint auch stehengeblieben zu sein. Außer einem neuen Hausanstrich, Kunststofffenster und dem Turm ist alles noch so wie vor 50 Jahren. Auch der Geruch ist noch der Gleiche. Am Tisch, wo ich meine Fluglehrerprüfung abgelegt habe, saßen wir zusammen mit den Fluglehrern und Schlepppiloten und befragten sie, wie man - trotz Sperrgebiet – den Neusiedlersee umrunden kann. Sie wussten eine gute Lösung, so machten wir uns auf, unser zweites Reiseziel, den Neusiedlersee aus der Luft zu erkunden. Unter 1.500 Fuß ist es schon ein ungewohntes Gefühl über die zahlreichen Windräder zu fliegen, fast glaubt man anzustoßen. Nun flogen wir genau so, wie es uns gesagt wurde und so konnten wir die interessanten Segelplätze in Weiden, Neusiedl, Podersdorf, Breitenbrunn, Rust und Mörbisch – wo in wenigen Tagen die Seefestspiele beginnen - aus der Luft beobachten und fotografieren. Über dem Steinbruch St. Margareten – wo gerade ein Spielfilm gedreht wurde – und Eisenstadt ging es dann vorbei zur Linken Wiener Neustadt, zur Rechten durch den schmalen Sichtflugkorridor bei den Sperrgebieten Pottendorf und Felixdorf. Nach Passieren dieses sensiblen Gebietes erlaubte uns Wien-Information wieder so hoch zu steigen, dass wir alle Berge, die vor uns lagen, überfliegen konnten. Über den vertrauten Gebieten der Voralpen, ging es wieder zurück zum Heimatflugplatz Seitenstetten. Damit war ein sehr interessanter Flug, bei dem wir viel gelernt haben, wieder zu Ende.

Resümee

Mit einer Flugzeit von etwa 45 Minuten kann man am Excalibur Flugplatz landen und so anstatt den üblichen Nachbarplatz „Kaffeeflügen“ Neues und Interessantes entdecken. Das Hotel Savannah bietet sich an, auch einmal ein Wochenende dort zu verbringen. Da wir nun das genaue Prozedere mit dem Flugplan und der Landung am nicht besetzten Platz kennen, ist es kein Problem, wieder einmal nach Excalibur zu fliegen.

Text: Wolfgang Grabner

Fotos: © Ewald Grabner