WEITERE FLÜGE

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Flug zum Berg der Flieger - 3 Fliegerische Highlights

Zwar keinen spektakulären Abenteuerflug, aber ein Flug mit fliegerischen Höhepunkten absolvierten Vater und Sohn, Ewald und Wolfgang Grabner.

Der Vater von Wolfgang Grabner lernte 1932 auf der Wasserkuppe Rhön das Fliegen, in Großenhain bei Dresden befindet sich die einzige flugfähige Klemm KL 25, das Schwestermodell der KL 20, die sein Vater besaß.

Das alles wollten sich die beiden einmal ausgiebig ansehen. Und wenn man schon auf der Wasserkuppe weilt, ist auch Poppenhausen nicht weit. Dort befindet sich die Firma Alexander Schleicher – die älteste Segelflugzeugbau-Firma der Welt.

Eine Flugreise mit drei fliegerischen Leckerbissen also.

Hier der Bericht der beiden:

Durch die Kontrollzone Linz
Donau Schlögener Schlinge

Wasserkuppe – Berg der Flieger

Weil man auf der Wasserkuppe nur bei bestimmten Wetterbedingungen mit einem 4-sitzigen Motorflugzeug landen kann, wählten wir die Vereins-DIMONA. Bei traumhaftem Wetter flogen wir 2 ½ Stunden von Seitenstetten, durch die Kontrollzone Linz, über Passau, quer ab Nürnberg, Bamberg und Schweinfurt  schnurgerade bis zur Wasserkuppe (EDER). Die Spannung für die zu erwartende Landung stieg, denn laut Jeppesen Anflugblatt liegt die Piste auf einem 950 m hohen Berg – dem höchsten des Bundeslandes Hessen. Außerdem ist die Landebahn stark geneigt, gelandet und gestartet werden kann nur in eine Richtung, und den teilweise heftigen Seiten- oder Rückenwind muss man eben meistern. Nach geglückter Landung und auftanken des Flugzeuges, begaben wir uns auf Wasserkuppe-Erkundungstour.

1911 entdeckten Flugbegeisterte aus Darmstadt die Wasserkuppe als ideales Gelände für ihre ersten Gleitflüge an den Hängen der Rhön. Bereits in den 20-iger Jahren gab es Rhön Segelflugwettbewerbe,

Wasserkuppe
Wasserkuppe
Wasserkuppe

Schleppstart

1924 wurde die erste Fliegerschule gegründet und 1937 die erste Segelflug-Weltmeisterschaft ausgetragen. Bekannte Flugpioniere nützten die Wasserkuppe für immer höhere Leistungen und Entwicklung noch besserer Flugzeuge. Viele Weltrekordflüge nahmen auf der Wasserkuppe ihren Anfang.

Heute beherbergt die Wasserkuppe alles, was sich Flugbegeisterte nur vorstellen können: Segelflug mit Flugzeugschlepp, Segelflug mit Windenstart, Motorseglerschulung, Ultralightflüge, Drachen- und Gleitschirmfliegen und eine ausgeprägte Segel-Modellflugszene. In der Wasserkuppe Fliegerschule werden auf modernsten Flugzeugen Anfänger bis Hochleistungsstrecken-Piloten geschult. Nächstes Jahr feiert man 100 Jahre Rhönflug und der Worldcup 2011 wird abgehalten.

Faszinierend wie auf engsten Raum alles perfekt funktioniert. Schlepp-Flugzeuge starten auf der Betonpiste  hinaus, während gleich daneben die Segler auf der Wiese herein landen. Auf der Kuppe kann zur gleichen Zeit mit der Winde gestartet werden. Das Segelflugzeug steht dabei auf einem asphaltierten Streifen direkt auf einer Bergkuppe, tief unterhalb und weit weg steht die Schleppwinde. Wie bei einem Katapultstart hebt das Flugzeug nach wenigen Metern ab. Zielgelandet wird so, dass der Segler wieder startbereit auf der „Abschussrampe“ steht.  Am nahe gelegenen Hügel starten zur gleichen Zeit Flugdrachen und Gleitschirmpiloten. Direkt neben der Windenschlepp-Startstelle haben die Modellflieger ihr Fluggelände. Sicher werden es über 50 Modellflug-Enthusiasten gewesen sein, die geduldig mit Frau, Enkelkind und Hund warteten bis sie an der Reihe waren. Etwa 100 Modellflieger waren zu bestaunen. Allesamt keine Fertigteilmodelle sondern liebevoll selbst gebastelt. Interessant ist, dass bei den Modellfliegern fast nur Senioren zu sehen sind. Man sieht also, dass die Fliegerei bis ins hohe Alter betrieben werden kann. Und alles passiert auf der Wasserkuppe gleichzeitig. Niemand kommt sich in die Quere. Unsichtbar nehmen alle Rücksicht aufeinander. Das nennt sich deutsche Gründlichkeit.

Segelflugrampe
Seil straff
Gleitschirm-Startplatz
Modellflug-Startplatz
Modellflug-Startplatz
Modellflug-Startplatz

Deutsches Segelflug und Modellflug Museum Wasserkuppe

Im deutschen Segel- und Modellflug Museum ist die über 100-jährige Geschichte und technische Entwicklung des Segelfluges zu bestaunen. Mit mehr als 4.000 m2 Ausstellungsfläche, ist es das größte dieser Art auf der Welt. Vom ersten Liliental-Gleiter bis zu modernsten Hochleistungs-Segelflugzeugen, von einfachen bis Hightech Flugmodellen ist alles zu sehen.  Besonders interessant sind auch die vielen Exponate von Modellflugmotoren und die Entwicklung der Fernsteuertechnik. Auf Fotoschautafeln ist die Geschichte der Flugpioniere und die rasante technische Entwicklung übersichtlich dargestellt.

Segelflugzeug Museum: Segelflugzeuge
Segelflugzeug Museum: Segelflugzeuge
Segelflugzeug Museum: Segelflugzeuge
Segelflugzeug Museum: Segelflugzeuge
Segelflugzeug Museum: Modellflugzeuge
Segelflugzeug Museum: Modellflugzeuge

Alexander Schleicher Segelflugzeugbau Poppenhausen

Am Fuße der Wasserkuppe liegt Poppenhausen. Ein lieblicher kleiner Ort, der durch den Schleicher Flugzeugbau einen weltweiten Ruf für hervorragende Segelflugzeuge erlangt hat. 1927 als kleine Werkstätte für den Bau von Gleitflugzeugen von Schreinermeister Alexander Schleicher gegründet, wird die Firma heute in der dritten Generation von den Enkeln des Firmengründers geführt. Schleicher ist der älteste Segelflugzeughersteller der Welt und mit über 100 Mitarbeitern auch einer der Größten. Durch konsequente Neu- und Weiterentwicklung von Segelflugzeugen kann Schleicher eine komplette aufeinander abgestimmte Modellpallette anbieten und ist damit weltweit erfolgreich. Wahrscheinlich gibt es keinen Segelflieger, der nicht schon mit einem Schleicher Ka, ASW, ASK, ASG Flugzeug geflogen ist. Weltmeister siegen laufend mit Schleicher Flugzeugen.

In Serpentinen ging es mit dem Taxi von der Wasserkuppe hinunter zum fliegerisch geschichtsträchtigen Ort. Ulrich Kremer, der Enkel von Alexander Schleicher, empfing uns und führte uns durch die Fabrik. Auf drei Ebenen werden modernste Hochleistungs-Segelflugzeuge hergestellt. Etwa 80 Flugzeuge verlassen jährlich die Fabrik. 80 % davon sind Einsitzer, 20 % Zweisitzer. Etwa 70 % der produzierten Flugzeuge sind mit Eigenstartfähigem oder „Heimkehrhilfe“-Motor ausgestattet. Es ist wirklich beeindruckend, wie so ein Hightech Segelflugzeug in 1.000 bis 2.500 Arbeitsstunden aus Carbon, GFK und Metallteilen entsteht. Die Tragflächen, Rumpf und Ruder werden ausschließlich in Handarbeit gefertigt. Station für Station entstehen allmählich fertige Tragflächen, Ruder und Rümpfe. In der eigenen Metallfertigungsabteilung werden sämtliche Fahrwerke, Rudergestänge, Motorträger und Beschläge produziert. Wenn alle Wassertanks, Ruderanschlüsse und Verkabelungen eingebaut sind, werden die Rohteile geschliffen und spiegelglatt weiß lackiert. Anschließend erfolgt der Einbau der Steuerung, Instrumente, Motor- und das Endfinish. Am Ende wartet ein Cobra Anhänger (x), in dem das fertige Flugzeug verladen und in alle Welt ausgeliefert wird. Am nahegelegenen Werksflugplatz können alle Flugzeuge erprobt und so Neuentwicklungen und permanente Verbesserungen rasch realisiert werden. Derzeit umfasst die Kollektion 7 verschiedene Segelflugzeugtypen. Das aktuelle Flaggschiff ist die ASG 29 E, im Herbst soll die innovativste Neuentwicklung ASH 30 Mi als Prototype fliegen. Die Wartezeit bei einer Flugzeugbestellung beträgt etwa 1 – 2 Jahre.

Poppenhausen fliegerisch weltberühmt
Schleicher Werk Poppenhausen
A. Schleichers Enkelsohn Ulli Kremer + Wolfgang Grabner
Rumpfproduktion
Rumpfproduktion
Tragflächen laminieren
Tragflächenproduktion
Tragflächenproduktion
Tragflächenproduktion
Tragflächenproduktion
Schleifen + lackieren
Schleifen + lackieren
Schleifen + lackieren
Metallteile-Fertigung
Metallteile-Fertigung
Endmontage
Endmontage
Endmontage
Endmontage
Endmontage
Lieferbereite Flugzeuge

Fliegendes Museum Großenhain

Nach ausgiebiger Besichtigung der Schleicher Flugzeugfabrik ging es mit dem Taxi wieder zurück auf die Wasserkuppe. Ein nochmaliger Bummel durch diese tolle Fluggelände und dann der anspruchsvolle „Bergab-Start“ in Landerichtung. Ein 1 ½ Stundenflug brachte uns vorbei an Weimar, Jena, Gera und Altenburg zum nächsten Ort der Begierde: den Flugplatz Großenhain bei Dresden. Red Bull Chefpilot und Hangar 7 Initiator Sigfried Angerer erzählte uns, dass es dort ein Flugzeug Museum gibt, wo sämtliche Exponate im besten flugbereiten Zustand sind und ständig geflogen werden. Der Besitzer Herr Josef Koch hatte früher eine große Flugschule in Augsburg und betreibt nun schon einige Jahre dieses fliegerische Kleinod. Neben vielen Flugzeug-Raritäten und Oldtimern besitzt er auch ein Klemm KL 25 mit 5 Zylinder Stern-Motor. Mein Vater besaß in den 30-iger Jahren eine Klemm KL 20 mit 2 Zylinder Mercedes/Porsche Boxer-Motor. Es war also höchste Zeit, ein einsatzbereites Klemm Flugzeug zu sehen und womöglich selbst damit in die Luft zu gehen.

Was wir allerdings vor unserem Abflug nicht wussten, ist, dass zu Pfingsten ein Tornado in der Gegend um Großenhain wütete und unglaublichen Schaden anrichtete. Neben kahlgeschlagenen Wäldern, umgestürzten Fabrikschloten und Kränen, abgedeckten Häusern wurde auch das Dach des Fliegenden Flugzeugmuseums-Hangars weggerissen. Der Sturm fegte durch das nunmehr offene Dach und wirbelte die darin stehenden Oldtimer kräftig durcheinander. Dabei wurde bei der Klemm der Rumpf und die Tragflächen arg beschädigt, sodass sie nun wieder mühsam restauriert werden muss. Also wurde leider nichts mit der Demonstration und dem heißersehnten Flug mit der Klemm. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, irgendwann wird es klappen.

Flugplatz Karlsbad
Ewald vor dem Fliegenden Museum
Karlsbad Kurhaus
Klemm KL 25
Klemm KL 25
Klemm KL 25

Nach Hause

Am nächsten Tag ging es wieder zurück nach Seitenstetten. Die Kontrollzone Dresden durften wir laut Anweisung durchfliegen, zur linken Hand Dresden, unter uns Meissen. In Karlsbad Tschechien gönnten wir uns eine Mittagsrast. Tschechien war rasch durchflogen, ab dem Moldau Stausee leitete uns Linz Radar wieder zu unserem Heimatflugplatz. Auch wenn der Flug mit der Klemm dieses Mal noch nicht geklappt hat, so entschädigte der Aufenthalt auf der Wasserkuppe und die Exkursion der Flugzeugfabrik Schleicher mit einem für Flieger hochinteressanten Erlebnis.

(x) COBRA Anhänger – eine österreichisch/deutsche Erfolgsgeschichte:
Die Firma COBRA – weltweit führender Hersteller von Hightech Flugzeuganhängern -  wurde von Alfred Spindelberger aus Mauer-Öhling/NÖ gegründet. „Fredi“ war Mitglied bei den Sportfliegern Steyr und flog in Micheldorf und Erla. Dann verschlug es ihn beruflich nach Deutschland. Weil er bereits bei den Sportfliegern Steyr Flugzeuganhänger gebaut hatte, wandte er sein Können nun auch bei seinem neuen deutschen Segelfliegerverein an. Dann erkannte er eine Marktlücke und gründete die Firma CORBRA. Im Laufe der Zeit entwickelte sich aus primitiven Anfängen ein modernes Anhängerwerk, bei dem auch zahlreiche technische Innovationen entwickelt und realisiert wurden. Kein Wunder, dass führende Flugzeughersteller für Ihre Flugzeuge COBRA Anhänger empfehlen und auch „maßgeschneidert“ vertreiben. Eine österreichische Erfolgsgeschichte, die aber nicht jedem bekannt sein dürfte.

Text: Wolfgang Grabner, Fotos: Ewald Grabner

Weiterführende Informationen:
Wasserkuppe: www.wasserkuppe.com
Fa. Schleicher: www.alexander-schleicher.de
Fliegendes Museum Koch: www.fliegendes-museum.de  
Cobra Anhänger: www.cobratrailer.com