WEITERE FLÜGE

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In das Land der Viertausendender

Wolfgangsee
Salzburg

Weil bei einem Flug in die Schweiz die Tankmöglichkeiten kein Problem sind, war es nicht notwendig, wie bei anderen Flügen, Treibstoffkanister auf dem Rücksitz mitzuführen. Wir entschieden uns daher für die bestens bewährte 2-sitzige Dimona, die zwar im Reiseflug etwas langsamer ist als die 4-sitzige Piper, dafür aber durch die Panoramakanzel einen unglaublich weiten Ausblick ermöglicht.

Laut Wetterbericht sollte an den geplanten Tagen bestes hochsommerliches Schönwetter mit ungetrübter Sicht sein. Also optimale Voraussetzungen um die Flüge über die europäischen Zentralalpen auch sichtmäßig genießen zu können. Am Vorabend des Abfluges gab Ewald den Flugplan ins AustroControll Homebriefing System ein. Wenige Minuten später kam über Handy die Nachricht, dass der Flugplan angekommen und akzeptiert ist.
Früh morgens erschienen die bestellten zwei Polizisten zur Pass- und Zollkontrolle am Flugplatz. Da die Schweiz nicht Mitglied der Europäischen Union ist, braucht man diese spezielle Abfertigung. Nach unserem Start wurde der Flugplan vom Betriebsleiter bei Austro Control telefonisch aktiviert. Als wir uns bei Wien-Information am Funk meldeten, sagte uns der Controller, dass unser Flugplan im System nicht zu finden sei. Wir diskutierten hin und her und lasen ihm unsere Handy-Bestätigung vor. An diesem wunderschönen Samstag herrschte auf Wien Information bereits heftiger Funkverkehr. Trotzdem beharrten wir darauf, dass wir den Flugplan aufgegeben haben und eine schriftliche Bestätigung dafür vorliegt.

Die Diskussion half aber nichts, bestenfalls blockierte sie den Funkverkehr. Wir ersuchten daher, den Flugplan ausnahmsweise noch einmal per Funk aufgeben zu dürfen. Nach einer weiteren Beratung erhielten wir den endgültigen Bescheid – nein, das ist für einen Flug in die Schweiz nicht möglich. Ihr müsst entweder nach Seitenstetten zurückkehren oder auf einem anderen Flugplatz zwischenlanden und den Flugplan noch einmal schriftlich aufgeben.

Innsbruck

Mittlerweile hatten wir aber schon unsere Reiseflughöhe erreicht. Der Wolfgangsee, wo gerade ein Wasserflugzeug-Treffen abgehalten wurde, lag tief unter uns und Salzburg war schon zu sehen. Zurückfliegen kommt also auf keinen Fall in Frage. Die stolze Höhe durch einen Sofortabstieg und Landung in Salzburg ebenfalls nicht. Also kommt nur Innsbruck in Betracht. Entgegenkommender Weise war Wien-Information bereit, für diesen Inlandsflug die Flugplanaufgabe per Funk zu akzeptieren. Nachdem wir uns mit der Tatsache, anstatt frühzeitig in St. Moritz anzukommen, zuerst in Innsbruck landen zu müssen, abgefunden hatten, genossen wir den Flug in vollen Zügen. Selten zuvor herrschte eine derartig glasklare Sicht, wo man nicht nur die nahe liegenden Berge, sondern auch die Gegend bis zum endlosen Horizont genau sehen konnte. Vorbei am Tennengebirge, Hochkönig, Steinernen Meer, Wilder Kaiser zur Rechten und Kitzbühler Alpen zur Linken ging es Richtung Inntal. Auf einigen Bergen waren schon Bergsteiger unterwegs und aus den Seilbahn-Bergstationen strömten die Touristen. Wenn man die Gegend vom Schifahren oder durch Reisen gut kennt, ist es ein besonderes Erlebnis, alles von der Luft aus zu beobachten.

Nun war die Zeit gekommen, uns bei Innsbruck-Approch zu melden. Wir erhielten sofort Anweisungen, wie wir den Anflug durchführen müssen. Nach startenden und landenden Verkehrs-Flugzeugen wurde uns die Landefreigabe auf Piste 26 erteilt und knapp über den Häusern von Innsbruck gleiteten wir zum Aufsetzpunkt. Als wir den neuen Flugplan nach Sametan aufgaben, prüften wir unseren Erstflugplan noch einmal im Homebriefing-System. Er war vollständig vorhanden, doch plötzlich bemerkten wir die Ursache, warum ihn Wien-Information nicht gefunden hat. Beim Eintippen hatte Ewald anstatt OE – EO getippt. Da ein Computer nicht denken kann, war das der Grund, warum der Flugplan nicht zu finden war. Also eindeutig unsere eigene Schuld. Wir mussten uns den Vorwurf machen, anstatt den Fehler zuerst bei uns selbst zu suchen, gleich das System zu verteufeln. Die Lehre daraus ist, dass man jeden Flugplan vor dem Absenden noch einmal gründlich kontrollieren sollte, um jeglichen Fehler zu vermeiden.

Samedan
Start Samedan

Der neue Flugplan in die Schweiz war rasch aufgegeben und vom System auch sofort akzeptiert. Nach der zweiten Pass- und Zollkontrolle des Tages eilten wir zu unserem Flugzeug. Gleich daneben stand inzwischen eine zweimotorige DA42 mit dem uns bekannten Kennzeichen OE-FPL. Es war das die ehemalige Maschine unserer Fliegerkameraden Polanski und Linzner, die damit beim Flug nach Luxor einen Motorschaden hatten. Es war am gleichen Tag als wir bei unserer Mittelmeerumrundung am Flug nach Kairo über der Wüste einen Bordstromausfall hatten. Wir wussten, dass die beiden das Flugzeug nach diesem Vorfall verkauften. Nun lernten wir den neuen Besitzer kennen. Dieser war in der Zwischenzeit über 100 Stunden damit geflogen und hatte keine Probleme.

Weiter ging es über das Inntal Richtung Westen. Unter uns der Inn und die bekannten Orte Haiming, Ötz und Imst. Oft sind wir mit dem Raftingboot am Inn gefahren und auch jetzt vom Flugzeug aus waren einige Raftingboote und viele Kajaks zu sehen. Während das GPS den Direktkurs von Innsbruck nach Samedan anzeigte, flogen wir unseren eigenen Kurs, der sich mehr an den Bergen und Tälern orientierte. Zuerst flogen wir in das Ötztal ein, dann querten wir in das Pitztal, um im Unterengadin wieder in das Inntal zu wechseln.
Die Berge sind hier alle um die 3.000 Meter hoch, die Wildspitze sogar über 3.700 Meter. Auch hier herrschte überall glasklare Sicht, nur hin und wieder hochgelegene Thermikwolken. Vorbei an der Samnaun-Gruppe, dem Piz Vadret und Piz Kesch ging es über die rätischen Alpen ins obere Engadin. Links und rechts unseres Kurses waren trotz Hochsommers unzählige schneebedeckte Gipfel zu sehen. Der Piz Bernina und Piz Palü mit über 4.000 Meter grüßten in der Ferne. In Zernez meldeten wir uns bei Samedan und erhielten sogleich Anweisungen für die Landung. Mit 1.707 Meter ü.d.M. ist Samedan der höchstgelegene Flugplatz Europas.

St. Moritz
Sigmundskron

Bald waren wir am Boden und die Höhe machte sich sogleich mit viel niedrigeren Temperaturen und heftigem Wind bemerkbar. Durch den Zeitverlust bei der ungeplanten Innsbruck-Zwischenlandung wäre es am gleichen Tag nicht mehr möglich gewesen, wie beabsichtigt mit der Seilbahn auf den Piz Corvatsch zu fahren. Ohne Bergerlebnis hatte es aber keinen Sinn, in dem während der Hochsaison ausgebuchten St. Moritz zu übernachten. Wir beschlossen daher, lieber gemütlich nach Bozen zu fliegen und dort noch das Schloss Sigmundskron mit dem Reinhold Messner Museum zu besuchen. Nach einem reichlichen Schweizer Wurstsalat, der allerdings ganz anders aussah und schmeckte als bei uns zu Hause, gaben wir am Turm den Flugplan in das Schweizer Flugplansystem ein. Die Rückbestätigung dauerte endlos lange, erst nach einem Anruf in Zürich wurde der Flugplan akzeptiert und bestätigt.

Nach dem Start überflogen wir St. Moritz, das lieblich zwischen den Bergen rund um die Oberengadiner Seen liegt. Auch der Bahnhof, von wo aus der Glacier-Express nach Zermatt/ Matterhorn fährt, lag direkt unter uns. Nun hieß es steigen, um die Berge Richtung Italien in ausreichender Höhe überfliegen zu können. Wieder das traumhafte Bild und die satten Farben der Schweizer Alpen mit den vielen schneebedeckten Gipfeln. Nach Zernez flogen wir über den Fuornpass vorbei an der Ortlergruppe über das Münstertal und dem Vinschgau. Linker Hand grüßten die Ötztaler Alpen, unter uns der Etsch im immer breiter werdenden Tal Richtung Meran. In der Gegend um Meran konnte man weitläufige Weinberge und großflächige Obstplantagen erkennen.

Nun hieß es wieder von der großen Höhe, die wir zur Gebirgsüberquerung benötigt hatten, absteigen. In niedriger Höhe war die Sicht nicht mehr so gut wie vorher über den Zentralalpen. Bald hatten wir Funkkontakt zu Bozen und auch die Stadt samt der Burg Sigmundskron kam in Sicht. Nach sofortiger Landefreigabe rollten wir gleich zur Tankstelle des Bozener Fliegervereines, um unsere Dimona wieder aufzutanken. Neben Verkehrsflugzeugen und dem übrigen Flugverkehr wurde intensiv Segel geflogen. Eine Schleppmaschine beförderte die wartenden Segelflugzeuge in die Luft und es war zu sehen, dass die Thermik an diesem Tag hielt, was sie versprach. Auch die 2-motorige DA42 aus Innsbruck war in Bozen und machte dort Aufsetz- und Durchstart-Übungen. Auf einem gepflegten Gras-Abstellplatz befestigten wir unser Flugzeug für die Nacht und machten uns auf den Weg in das empfohlene nahe gelegene Hotel. Für einen Besuch des Schloss Sigmundskron war es schon wieder zu spät, deshalb fuhren wir mit dem Bus in das Zentrum von Bozen. Dort mischten wir uns unter die Scharen von Touristen und besichtigten alle Sehenswürdigkeiten die Bozen zu bieten hat. Ein reichliches Südtiroler Abendessen und ein nochmaliger Abendbummel beendete diesen erlebnisreichen Tag.

Dolomiten

Früh morgens waren wir schon am Flugplatz und alsbald war der Flugplan aufgegeben und das Flugzeug startbereit. Von der Luft aus konnte man sehen, dass am frühen Sonntagmorgen Bozen erst vom Schlaf erwacht. Im leichten Steigflug ging es im Eisacktal über Kastelruth und Brixen, dann über das Rienztal nach Bruneck. Um über die Hohen Tauern zu kommen, mussten wir sehr hoch steigen. Nun lagen die Dolomiten vor und der berühmte Rosengarten rechts von uns. Ein traumhafter Anblick wie man ihn von den kitschigen Kalenderbildern kennt. Rechts die Karnischen Alpen, Lienzer Dolomiten und das Pustatal, links das Defreggengebirge. Vor uns Lienz und hinter der Schober-Gruppe Heiligenblut. Den Großglockner hatten wir schon die ganze Zeit beobachtet, nun war er zum Greifen nahe. Unter uns die Pasterze und das Hochtor, rechts von uns der Hocharn und Sonnblick. Östlich die Ankogelgruppe und der Mölltaler Sommerski Gletscher.

Um die Strecke für eine später geplante Bergtour zu erkunden, entschieden wir uns, die Tauern über den Sonnblick zu kreuzen und über das Rauris und Gasteinertal nach Zell am See zu sinken. Das 3.105 Meter hohe Sonnblick Observatorium und Gipfelhaus war schon in der Früh mit Bergsteigern bevölkert. Auch auf der schneebedeckten Strecke zwischen Rojacher Hütte und dem Hohen Sonnblick konnten wir viele Bergsteiger beobachten. Der Sonnblick scheint ein Kultberg zu sein und auch ich erinnerte mich an das großartige Erlebnis als ich ihn vor vielen Jahren mit Fliegerfreunden bestieg. Nach einigen Fotokreisen erkundeten wir noch das Seidelwinkel- und Krummeltal, das ich wenige Wochen danach zu Fuß durchwanderte. Um in Zell am See landen zu können, musste nun die große Höhe verbraucht werden. Im Leerlauf überflogen wir die Berge ins Gasteinertal, von dort über das Salzachtal zum Anflug nach Zell am See.

Motor streikt

An diesem herrlichen Sonntag war alles, was Flügel hat, unterwegs. Pausenlos wurde gestartet und gelandet, und nur mit Glück fand sich ein freier Abstellplatz. Hier in Zell am See wollten wir unseren alten Fliegerfreund Gerhard Artmayr anrufen und uns mit ihm treffen. Als ob wir es ausgemacht hätten, stießen wir sofort auf ihn und freudig tauschten wir im Flugplatzrrestaurant unsere gegenseitigen Neuigkeiten aus. Gerhard Artmayr war ein guter Freund meines Vaters und so kenne auch ich ihn schon seit ich mich zurück erinnern kann. Als ehemaliger Haager, lebt er nun schon Jahrzehnte in Zell am See. Dennoch ist er sehr mit Haag und seinen früheren Bekannten verbunden. So gibt es immer eine Menge zu berichten und auszutauschen.

Als wir dann „zum Kaffee“ nach Niederöblarn starten wollten, erwartete uns eine böse Überraschung. Der Motor der Dimona sprang nicht an und durch das Starten entlud sich die Batterie so rasch, dass wir gar nicht mehr starten konnten. Auf Anraten eines Flugzeugmechanikers reinigten wir die, durch den langen Sinkflug stark verrusten Zündkerzen. Der hilfsbereite Fliegerfreund besorgte auch noch eine externe Batterie und beim ersten Startversuch sprang der Motor augenblicklich an. Wir waren mit der Dimona rund um ganz Europa zum Nordkap und nach Tunesien geflogen. Noch nie hatte es Startschwierigkeiten gegeben. Zu Hause stellte sich dann heraus, dass die Batterie kaputt war und es fast an ein Wunder grenzte, dass wir nicht schon in Bozen Startprobleme hatten.

Reinigung

Verunsichert durch diesen Vorfall entschieden wir, nicht mehr in Niederöblarn zwischenzulanden, um nicht womöglich auch dort noch einmal Startprobleme zu bekommen. Der Flug führte uns über den Zellersee, vorbei am Hochkönig und Tennengebirge über das Salzkammergut. Die Sicht war so klar wie am Tag davor, sodass man soweit das Auge reicht, alles erkennen konnte, Am Heimatflugplatz erwarteten uns hochsommerliche Temperaturen und so war es fast selbstverständlich, dass wir nach dem Versorgen des Flugzeuges auch bald unsere Runden im Swimmingpool drehten. Alles in allem war es zwar streckenmäßig kein weiter Flug, doch durch das Überfliegen der österreichischen, Schweizer und Südtiroler Alpen bei traumhaften Schönwetter dennoch ein unvergessliches Erlebnis.